Mit «Die weiten Räume» schlägt das Kunstmuseum Wallis ein neues Kapitel seiner Geschichte auf. Ab 2025 präsentiert es jährlich einen Zyklus mehrerer Ausstellungen zu einer gemeinsamen Thematik, die aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird. Dieses neue Konzept ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern eine diversifizierte Sicht des Museums. Es vereint sammlungsbasierte Ausstellungen mit solchen, die von Gastkünstlern konzipiert werden, und bringt sie vor einem kohärenten thematischen Hintergrund in einen spannenden Dialog.
Der erste Zyklus, der vom 6. April 2025 bis 11. Januar 2026 zu sehen ist, führt durch drei Ausstellungen. Zwei davon – eine von Magali Dougoud, die andere von Viviane Suter – wurden eigens für die Räume des Museums geschaffen. Die dritte präsentiert eine auf den Sammlungen des Kunstmuseums Wallis basierende Accrochage zum Thema Landschaft und Landschaftsmalerei an der Grenze zur Abstraktion.
Das Museum lädt das Publikum ein, verschiedenste Räume – politische, geografische, bildliche und mehr – zu durchstreifen, und schliesslich, im obersten Stock des Viztumsschlosses, ganz in die grossformatige Installation von Vivian Suter einzutauchen. Abschliessend führt der Besuch auf die Terrassen, wo man weitere, dauerhaft installierte Werke entdecken und besondere Ausblicke auf die Altstadt von Sitten geniessen kann.
Die Landschaft zwischen Figuration und Abstraktion
Diese auf der Sammlung des Kunstmuseums Wallis basierende Ausstellung befasst sich mit der Frage, wie die Entwicklung der Abstraktion die Darstellung der Landschaft in der westlichen Kunst beeinflusste. Sie setzt nach dieser bedeutenden Entwicklung des frühen 20. Jahrhunderts an und möchte den Einfluss der Abstraktion auf die Landschaftsmalerei erfassen, gestützt auf rund 70 Werke von 22 Kunstschaffenden verschiedenster Generationen. Die Ausstellung erhebt nicht den Anspruch, eine vollständige Bilanz der Landschaftsdarstellung an der Grenze zur Abstraktion zu ziehen.
Vielmehr möchte sie die verschiedenen Darstellungsstrategien aufzeigen und den malerischen Erfindergeist der Künstlerinnen und Künstler in den Fokus rücken. Ob sie die Üppigkeit der Vegetation einfangen und den von der Natur hervorgerufenen Gefühlen freien Lauf lassen, die Formen vereinfachen und die innere Geometrie eines Bergs verstärken, den Körper mit der Landschaft verschmelzen lassen, oder schneebedeckte Gipfel als monochrome weisse Flächen behandeln – die Künstlerinnen und Künstler nehmen Abstand von der Realität, ohne aber je mit ihr zu brechen, und sie geben die Landschaft wie das Ergebnis einer sinnlichen Erfahrung wieder. Kuratierung: Laurence Schmidlin, Direktorin des Kunstmuseums Wallis
Mit Weken von Leo Andenmatten,Suzanne Auber, Sophie Bouvier Ausländer, Balthasar Burkhard, Denise Eyer, Oggier, Hamish Fulton, Simone Guhl-Bonvin, Jean-Claude Hesselbarth, Axel Hütte, Alexandre Joly, Sigismond Kolos-Vary, Alois Lichtsteiner, Emil Nolde, Kotscha Reist, Olivier Saudan, Francine Simonin, Annelies Štrba, Gottfried Tritten, Spencer Tunick, Jonas Wyssen
Vivian Suter Moving Nature
Im Anschluss an Die Landschaft zwischen Figuration und Abstraktion wird das Publikum in den malerischen Raum entführt, nämlich in die Präsentation der Werke von Vivian Suter (Buenos Aires, AR, *1949), die teilweise der Sammlung des Museums angehören. Die Atmosphäre von Panajachel, in Guatemala, wo die Künstlerin seit 1983 lebt und arbeitet, die üppige Vegetation und die Tiere werden zu zentralen Themen, ja festen Bestandteilen ihrer Arbeiten.
Die Werke von Vivian Suter haben weder Datum noch Titel. Ihre Anordnung erinnert an eine Installation, welche das Publikum mitten in die zauberhaften, üppigen Landschaften eintauchen lässt, an welche die abstrakten Bilder erinnern.
Kuratierung: Laurence Schmidlin, Direktorin des Kunstmuseums Wallis
Biografie der Künstlerin
Vivian Suter ist 1949 in Buenos Aires geboren, wo ihr aus der Schweiz stammender Vater eine Textilfabrik leitete. Ihre Mutter, eine Künstlerin, war 1938 von Wien nach Argentinien ausgewandert, auf der Flucht vor dem Nazi-Regime. Vivian Suter wuchs in Argentinien und ab 1962 in Basel auf. Sie liess sich an der Kunstgewerbeschule Basel (1968–1972) ausbilden und präsentierte 1972 bereits eine erste Ausstellung. 1983 liess sie sich auf einer ehemaligen Kaffee-Plantage in Panajachel, in Guatemala, nieder, wo sie bisher lebt und arbeitet. Im Jahr 1981 erhielt sie den Schweizer Kunstpreis und 2021, als Folge ihrer eher späten Wiederentdeckung, Mitte der 2010er-Jahre, einen Schweizer Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim.
Magali Dougoud An verheissenen Wassern
Die Ausstellung An verheissenen Wassern präsentiert Video- und Tonwerke zum Thema Wasser an der Schnittstelle zu Ökologie, Feminismus und Politik. Mit ihrem ebenso lokalen wie internationalen Blick auf die Nutzung von Wasser als natürliche Ressource und Gemeingut lässt die Künstlerin zwischen dem Wallis und der Demokratischen Republik Kongo einen Dialog entstehen. Ausserdem schafft sie zeitgenössische Fabeln, welche Geopolitik und Mythen im Zusammenhang mit dem Wasser vereinen. Der im Wallis, in der Region von Ayent, gedrehte Film Le Bisse des Dissidentes versetzt uns in die besondere Geografie und die Geschichte der Wasserleiten. In einem Vorgehen, das Dokumentarfilm und magischen Realismus vermischt, hinterfragt Magali Dougoud den Zugang zum Wasser in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie die damit verbundenen Machtbeziehungen.
Das Video Mati Wata Water (2025) wurde in der Demokratischen Republik Kongo gedreht – ein Land, wo der Zugang zu Trinkwasser eingeschränkt ist, obwohl es über mehr als die Hälfte der Süsswasserreserven Afrikas verfügt. Ausgehend vom Motiv der Wasserträgerin verleiht die Künstlerin den Wassergeistern, Strömen und Flüssen der Region von Kinshasa eine Stimme und prangert die wirtschaftliche, ökologische und humanitäre Gewalt an, die sich im eingeschränkten Zugang zu Wasser manifestiert. Auf der Museumsterrasse schafft ein Klangwerk einen Bezug zu den beiden Videowerken: Zombie Mermaids – A Song for Future Waters (2024) ist ein zugleich faszinierender und verstörender poetischer Gesang, der sich an den Legenden der Schweizer Alpen inspiriert. Diese feministische Erzählung rückt geheimnisvolle Wasserwesen ins Zentrum und behandelt in epischer Form die Gewalt gegen Frauen sowie gegen dissidente, unkonventionelle Wesen und Geister.
Kuratierung: Maelle Tappy, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstmuseum Wallis
Biografie der Künstlerin
Die aus dem Wallis stammende Magali Dougoud (Martinach, CH, *1986) lebt in Lausanne und Paris. Sie liess sich an der Hochschule für Kunst und Design Genf (HEAD) sowie an Hochschule der Künste Bern (HKB) ausbilden. 2022 wurde sie mit einem Stipendium von Art Pro Wallis unterstützt, 2023 von Pro Helvetia. Dank diesen Unterstützungen konnte sie ein im Wallis und in Kinshasa beheimatetes Projekt entwickeln. Seit einigen Jahren konzentriert sie ihre Arbeit auf Videowerke und Installationen.
Die Ausstellung wird unterstützt von: Kanton Waadt Ι Stadt Lausanne Ι Dr. Georg und Josi Guggenheim-Stiftung Ι Ernst Göhner Stiftung